Deutschlandfunk, 14.02.2004
17:05 Uhr: Markt und Medien
Interview mit Werner Lauff 
Beschäftigen wir uns also mit der Kabel Deutschland GmbH, die diese Woche Schlagzeilen machte. Fernsehprogramme gibt es ja terrestrisch über Antenne, aus dem Orbit vom Satelliten oder eben via Kabel. 58 Prozent der Zuschauer haben einen Kabelanschluss, bekommen ihre Kanäle also über einen Kabelnetzbetreiber zugeliefert. Der größte hierzulande ist die Kabel Deutschland GmbH; die Hälfte aller Kabelkunden ist bereits bei der KDG unter Vertrag und es könnten bald noch mehr werden. Ich begrüße nun am Telefon in Düsseldorf Werner Lauff; er ist Unternehmensberater und Publizist, früher war er Chef der Bertelsmann Broadband Group und Geschäftsführer der elektronischen Töchter der WAZ-Gruppe. Guten Abend, Herr Lauff.
Guten Abend.
Was nun strebt diese Kabel Deutschland GmbH an?
Nun, zunächst einmal hat der Chef von Kabel Deutschland vorgestern bei der Euroforum-Konferenz über die Zukunft der Kabel-TV-Netze eine positive Ankündigung gemacht, nämlich die, dass ab 2. April neue digitale Radio- und Fernsehprogramme im Netz verbreitet werden. Das ist eine gute Nachricht für alle diejenigen, die mit dem Kabel unzufrieden sind, weil der Satellit ja schon beträchtlich mehr Programme über die digitalen Antennen bietet und das digitale terrestrische Fernsehen in diesem Jahr auch eine beträchtliche Anzahl an Programmen kostenlos liefern wird. Nun möchte man insgesamt Deutschland besitzen, um die Braut noch ein wenig schöner zu machen und das Kabel damit leistungsfähiger.
Das heißt also, man rüstet technisch auf, ist im Zugzwang sozusagen. Das ist ja eigentlich genau das, was der Kabelnetzbetreiber "ish" schon erfolgreich in den letzten Monaten und Jahren getan hat. Ist das der Grund dafür, dass Kabel Deutschland eben "ish" und andere schlucken möchte?
Na ja, der wahre Grund ist wohl der, dass die Finanzinvestoren, die Kabel Deutschland besitzen, den Wert des Unternehmens steigern wollen, um damit, dass man ganz Deutschland nun unter Vertrag hat, einen besseren Börsengang machen zu können, mehr Kapital einsammeln zu können, oder vielleicht auch das Unternehmen demnächst irgendwann freihändig zu einem höheren Preis zu verkaufen. Denn man hätte natürlich die Effekte der Digitalisierung und der Einheitlichkeit in Deutschland auch mit einfachen Verträgen erreichen können; dazu bedarf es keiner Übernahme.
Welche Kandidaten stehen denn noch zur Disposition außer "ish"?
Es ist "Kabel BW" in Baden-Württemberg und "iesy" in Hessen und damit wären dann alle Regionen in Deutschland unter einem Dach. Es ist in der Tat auch fraglich, ob einzelne Gesellschaften mit relativ wenig Kunden die Herausforderungen jetzt bestehen können, vor denen das Kabel in der Tat steht und das heißt in erster Linie "Digitalisierung", aber natürlich auch weitere Modernisierung, denn im benachbarten Ausland, beispielsweise in Benelux, der Schweiz und in Großbritannien gibt es schon viel mehr über das Kabel, zum Beispiel schnellen Internetzugang oder zum Beispiel Zusatzdienste auf dem Fernseher.
Nehmen wir an, die Übernahmen fänden statt, befinden wir uns dann nicht wieder in einem Zustand des Monopols, das wir ja seit Telekom's Zeiten eigentlich verlassen haben?
Richtig, wir kommen eigentlich wieder zum vorherigen Zustand zurück. Nun haben allerdings auch die Gesellschaften "ish", "Kabel BW" und "iesy" jeweils ein Monopol in ihren Regionen und für den Nutzer macht sich diese Übernahme so gut wie gar nicht bemerkbar. Der Unterschied zu früheren Verfahren ist der, dass sich Kabel Deutschland auch wirklich nur als Transporteur versteht. Früher gab es einmal "Liberty Media" aus Amerika, die hier nach Deutschland kommen wollten; die waren auch Programmveranstalter und da war ein Monopol noch deutlich problematischer als es jetzt ist.
Das heißt, der Einspruch des Kartellamtes ist nicht zu befürchten bei dieser Transaktion?
Na ja, man weiß es nie, aber es war damals jedenfalls eine sehr viel problematischere Situation, zumal Liberty auch noch an den Einzelhändlern des Kabels beteiligt war, an großen Einzelhändlern. Wir müssen sehen, dass Kabel Deutschland ja in erster Linie der Großhändler für das Kabel ist, so dass heute die Situation schon eine andere ist. Und wir haben heute in der Tat mehr Wettbewerb durch den Satelliten und durch das digitale terrestrische Fernsehen, das ja 2004 in den Ballungszentren in Deutschland eingeführt wird.
Herr Lauff, kurz Ihre Einschätzung noch: Ist das Kabelnetz wettbewerbsfähig gegenüber dem Satelliten?
Es ist wettbewerbsfähig, wenn das Kabel seine Stärken nutzt und das heißt: Das Kabel kann viel mehr als nur digitale oder analoge Fernsehprogramme transportieren. Es ermöglicht auch Punkt-zu-Punkt-Dienste, es ermöglicht Internet-Zugang, es ermöglicht komfortable elektronische Programmführer. Das muss jetzt in den nächsten Monaten und Jahren geschehen, sonst hat das Kabel langfristig ein Problem.
Werner Lauff, herzlichen Dank. Er ist Unternehmensberater und Publizist in Düsseldorf.
Copyright: Deutschlandfunk