Ein Realist

Prof. Norbert Schneider über Werner Lauff

 

Da der Mensch als solcher nicht dazu neigt zu loben, wissen die meisten nicht, was man sich beim Loben alles einfangen kann. Oft kommt es dazu, dass der Gelobte unter den Ratschlägen eines Lobredners zusammenzuckt und sich fragt: Was will der von mir, was habe ich ihm getan, dass er mich so gnadenlos lobt? Neulich habe ich einen alten Freund so lange gelobt, dass er mich seither nicht mehr grüßt. Einmal hat einer in einer Dankesrede gesagt: Dass Sie mich kritisieren, muss ich ertragen, aber dass Sie mich loben, das verbitte ich mir!

Damit es nicht zu unliebsamen Überraschungen und Zusammenbrüchen kommt, hat der Mensch die Preise erfunden. Doch selbst dann lässt es sich nicht immer vermeiden, dass der Preisträger unter den Worten seines Laudators zusammenbricht und die Veranstaltung vorzeitig verlassen muss.

Soweit ganz allgemein. Speziell gesehen geht man bei Werner Lauff dieses Risiko nicht ein, weil er jederzeit in der Lage wäre, den Spieß umzudrehen und den Laudator seinerseits aus der Halle zu reden. Es sind ja nicht zuletzt seine sprachlichen Möglichkeiten und seine rhetorische Präsenz, gar nicht zu reden von ihrer Brillanz, die dazu führen, dass wir ihn - ob ihm das gefällt oder nicht - heute loben müssen.

Ein Mundwerker von der feinsten Art, ein Liebhaber des Nebensatzes, mit Mitteln ausgestattet, die unter deutsch moderierend Tätigen nicht sehr verbreitet sind – mit diesen Mitteln hat Werner Lauff nicht gemacht, was man auch hätte machen können: Butterfahrten sprachlich zu begleiten, Sparkassenjubiläen verbal zu bekränzen, Familienfeste zu bereichern. Oder als Grabredner kalte Rührung zu erzeugen. Nein, er hat seine Gaben genutzt, um in zahlreichen Veranstaltungen eine Sache immer wieder mit einer fröhlichen Hartnäckigkeit zu traktieren: die Digitalisierung der Medien. Er hat sich der Mühe unterworfen, zu erklären, was das ist, wenn es fertig ist, und was bis dahin getan werden müsste.

Werner Lauff kann sich etwas vorstellen. Er hat sich die Mühe gemacht, schwierige technische Fragen zu beleuchten, ohne dabei in die Populismusfalle zu tappen, nach Art jener berühmten Beschreibung des Loches in der Feuerzangenbowle. Werner Lauff kann man verstehen. Er hat sich die Mühe gemacht, zwischen hochfahrenden Fantasien und wahrscheinlichen Entwicklungen zu unterscheiden. Werner Lauff ist Realist. Er hat sich die Mühe gemacht, ein Thema, das zwar als Detail jedermann präsent ist, als eine Revolution der Kommunikationsverfahren aber so unbekannt wie Beethovens Zehnte – er hat sich die Mühe gemacht, dieses Thema Digitalisierung als einen großen Zusammenhang darzustellen und zu analysieren. Lauff kennt das Muster und verliert nicht den Faden. Wer je das Vergnügen hatte, kenntnisarm in eine Veranstaltung geraten zu sein, um dort dann auf den Redner Lauff zu stoßen, der weiß, wie schön es sein kann, an Erkenntnis zu gewinnen.

Dazu verhilft dem heute Gepriesenen eine umfassende berufsbiographisch verankerte Einsicht in die alten und die neuen Medien. Er kennt nicht nur seine Pappenheimer, er kennt auch die Flaschen, pardon: die Flaschenhälse, durch die man gehen muss; die Vorsicht, die Zweifel, die Ängste, vor allem die Ängste derer, die fürchten, ihr analoges Geld werde digital verbrannt. Diese vor allem bei Verlegern verbreitete Haltung hat er durch ein weithin ideologiefreies Plädoyer für digitalisierte Medien überboten.

Ob man solches Tun heldenhaft nennen soll, mag der eine oder andere vielleicht bezweifeln, vor allem, wenn er die Beharrlichkeiten, das Wohlgefühl, das alles analog Vertraute vermittelt. Wir sehen das anders. Wir sehen in Werner Lauff, durchaus verbunden mit der Bitte, nun nicht abzuheben, einen local digital hero. Dafür bekommt er als erster diesen von der Landesanstalt für Medien ausgelobten Preis. Verliehen mit der Bitte, vom rechten Weg der Aufklärung nicht abzuweichen und auch in Zukunft das zu tun, was er am besten kann: Menschen davon zu überzeugen, was für sie, nicht zuletzt, wenn er es ihnen sagt, das Beste ist, immer getragen von der Erkenntnis: Die Welt von Lauff als ein Stück Lauf der Welt!

Ich gratuliere.