
Sehr geehrter Herr Rasch,
sehr geehrte Frau Sprungala,
meine Damen und Herren,
ich habe mich gefreut. Über die Einladung, bei Ihrem "festlichen Jahresessen" sprechen zu dürfen - es ist mir eine Ehre. Heute Morgen war mein kleiner Neffe ganz besorgt, wie lange ich wohl wegbleiben würde. "Ein Jahresessen" - fragte er, "wie lange dauert das?" "Nicht länger als ein paar Wochen", antwortete ich ihm und er hat wieder was gelernt.
Ich freue mich übrigens immer, wenn ich am Abend sprechen darf. Erstens sind die Erwartungen der Zuhörer dabei relativ gering; der Tag ist gelaufen, alles Wichtige bereits erledigt, der Rest ist eigentlich egal. Zweitens kann niemand den Saal verlassen, denn am Redeende werden meist größere Mengen guten Weins ausgeschenkt, was man keinesfalls verpassen darf. Drittens ist der Inhalt der Rede eigentlich unerheblich, weil sich die meisten Zuhörer aufgrund genau dieses fortgesetzten Ausschankvorgangs am nächsten Tag sowieso an nichts mehr erinnern. Und schließlich, dies sehe ich jetzt auch in Ihren Gesichtern, zeigen Zuhörer eines solchen Festvortrages stets ein großes Interesse am Redner, sie lächeln, schauen gespannt nach vorn und sind besonders aufmerksam - ein natürliches Phänomen, denn sonst könnte der Eindruck entstehen, es sei ihnen nur an Speis und Trank gelegen.
So genieße ich diesen Moment, aber auch das Thema. Seine wichtigsten Worte lauten ja "im Wandel der Zeit". Der Wandel der Zeit, das ist eine Art perpetuum mobile - er hört einfach nicht auf. Da haben wir schon den ersten Bezug zum heutigen Redner. Der zweite ist: Kaum ein anderes Thema gibt mir so intensiv Gelegenheit, Geschichten aus meinem Leben zu erzählen. Während Mitglieder meiner Familie just zu jenem Zeitpunkt merkwürdigerweise immer die unangenehmsten Aufgaben wie Putzen, Rasen mähen oder Zimmer aufräumen zu erledigen haben, nach dem Motto "In Zeiten der Gefahr ist körperliche Abwesenheit besser als Geistesgegenwart", sind Sie, meine Damen und Herren, durch den Titelteil "im Wandel der Zeit" erfreulicherweise bereits historisch prädisponiert und auf Leiden eingestimmt.
Fernsehen war bis dahin eine ernste Angelegenheit. Es hatte die Verfassungsgerichte von Bund und Ländern ausgiebig beschäftigt. Dass Fernsehen nicht vom Staat veranstaltet werden durfte, war bereits seit 1961 klar, als Konrad Adenauer mit seiner staatlich kontrollierten "Deutschland Fernsehen GmbH" in Karlsruhe scheiterte, was kurz darauf zur Gründung des ZDF führte. Ob es aber private Veranstalter geben dürfe, blieb bis 1981 heftig umstritten. Erst mit dem dritten Rundfunkurteil des Bundesverfassungsgerichts, ausgelöst durch den Koblenzer Zeitungsverleger Theisen, stand fest, dass Privatfunk sein darf, wenn auch nur im Rahmen einer vom Gesetzgeber genau zu definierenden "positiven Ordnung".
Fernsehen war bis dato aber auch deswegen eine ernste Angelegenheit, weil es durch die Fokussierung auf zwei Hauptprogramme politisch hochbrisant war. Da ARD und ZDF ihre Sendezeiten so koordinierten, dass es nicht zur Parallelausstrahlung gleicher Genres kam, hatte jede Nachrichtensendung und jedes politische Magazin ein Aufmerksamkeits-Monopol. Deren Einflüsse auf die Meinungsbildung wurden als so hoch eingeschätzt, dass die politischen Parteien und geradezu militant auftretende Vereinigungen von Fernsehzuschauern Sekunden zählten, Aufnahmeperspektiven protokollierten und die Parteizugehörigkeit von Journalisten erforschten.
Auch Musiksendungen, Krimiserien und Shows wurden akribisch daraufhin untersucht, ob darin vielleicht eine bestimmte politische Richtung bevorzugt werde, bis hin zur Mängelrüge, Morde fänden beim "Kommissar" zu häufig in Villen wohlhabender und damit CDU-naher Kreise statt. Elisabeth Noelle-Neumann lieferte die wissenschaftliche Begründung dazu: Der auf Harmonie bedachte und bevorzugt im Strom mitschwimmende Deutsche passe seine Meinung schnell an, wenn sie ihm im Fernsehen als Mehrheitsmeinung dargestellt werde. Es komme nicht auf die wahre politische Stimmung an, sondern auf das, was der Zuschauer aufgrund des Fern-Sehens für die wahre Stimmung halte - es war die Theorie der Schweigespirale.
Die Manipulationsphobie der Parteizentralen und Parteistiftungen führte nicht zuletzt zu einer, heute allenfalls noch von Geheimdiensten gepflegten, Infiltrationspolitik: Gezielt wurden Studenten angeworben, um sie journalistisch zu schulen und anschließend in den öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten zu platzieren. Auch ich gehörte damals zu jenen, die handwerklich gerüstet und ideologisch gefestigt wurden, um den "Rotfunk" zu unterwandern. Später konnte ich mich dem Fronteinsatz dann aber erfolgreich entziehen.
Offizieller Grund für das Sekundenzählen war das Postulat der "Ausgewogenheit", das aus Sicht des jeweils Reklamierenden stets als eklatant vernachlässigt angesehen wurde. Interessanterweise führte man diese Diskussion überwiegend außen und öffentlich; die für die Kontrolle eigentlich zuständigen pluralistisch zusammengesetzten Aufsichtsgremien der öffentlich-rechtlichen Anstalten verstanden sich eher als Teil des Senders. Ihre Mitglieder erfreuten sich an ihrer herausgehobenen Position im gesellschaftlichen Leben, die in der Teilnahme an Mainzer Karnevalssitzungen und der kostenlosen Nutzung neuester Farbfernsehgerätemodelle ihren Ausdruck fand.
Mein damaliger Chef im Deutschen Bundestag, der medienpolitische Sprecher der Unionsfraktion Professor Hans Hugo Klein, hatte bei meinem Jobantritt übrigens gerade von sich reden gemacht. Auf die live vom Magazin "Monitor" gestellte Frage: "Wäre es aus Ihrer Sicht für die Demokratie besser, wenn es Monitor nicht gäbe?", hatte er geantwortet: "Ja, das glaube ich in der Tat." So verhärtet waren damals die Fronten, so politisch war Medienpolitik.
Wie auch immer: 1981 schrieben er und ich einen Aufsatz für die Zeitschrift "Das Parlament" und warben, wie viele andere auch, für Pluralität und Wettbewerb, also die Einführung privaten Fernsehens. In einem emphatischen Schlussabsatz stand übrigens die Aussage "Niemand will ein wildes Fernsehsystem, in dem Werbung, Sex und Crime sich ablösen. Aber der von unserer Verfassung für mündig erklärte Bürger muss auch kommunikationspolitisch als mündig angesehen werden."
Natürlich war den Rundfunkreformern der Union damals klar, dass Privatfernsehen oft auch unpolitisch sein würde. Und sie fanden auch den eigentlich böse gemeinten Privatfunkgegner-Satz nicht schlimm, der lautete: "Öffentlich-rechtlicher Rundfunk produziert Programme für Zuschauer, privater Rundfunk produziert Zuschauer für die Werbewirtschaft". Die Werbewirtschaft, so nahmen sie an, wird schon ziemlich genau wissen, was dem Zuschauer gefällt. Also wird alles gut.
Interessanterweise begannen nach kurzer Zeit auch die öffentlich-rechtlichen Anstalten nach diesem Zuschaueroptimierungsgrundsatz zu arbeiten. Sie richteten insbesondere ihre reichweitenstarken Vorabendprogramme zwischen 18 und 20 Uhr auf Massenwirkung und Werbeeinnahmen aus - ein Prozess, der noch heute anhält. Auch in anderer Hinsicht sahen wir die tatsächliche Entwicklung nicht voraus. So glaubten wir beispielsweise, das Privatfernsehen würde schnell schwarze Zahlen erreichen. Niemand ahnte, dass der 1985 gestartete Sender SAT.1 auch neunzehn Jahre später noch keine nachhaltigen Gewinne erwirtschaften würde. Ebenso undenkbar war, dass von 165 Tageszeitungen, die sich an SAT.1 beteiligten, noch nicht einmal ein kleines Häuflein Aufrechter übrig bleiben würde. Auch hätte keiner es geglaubt, wenn man vorausgesagt hätte, Film- und Sportrechte würden einmal so teuer werden, dass ihre Kosten eines Tages Sender und ganze Konzerne ins Verderben reißen würden. Und natürlich ahnte auch noch niemand etwas von Tutti Frutti, Reality TV, Big Brother, nachmittäglichem Talkshow-Exhibitionismus und anderen Ausprägungen der TV-Dekadenz. Hätten wir es geahnt, hätten wir den Satz über den kommunikationspolitisch mündigen Bürger wahrscheinlich vorsichtshalber weggelassen.
Manches hätte man in der Folgezeit gerne noch korrigieren wollen, doch waren die Einflussmöglichkeiten der Politik auf die Inhalte der nach und nach entstehenden Privatsender eher gering. Geschmack durfte eindeutig nicht der Maßstab sein - und so blieb selbst Reinhard Mohn als Bertelsmann-Inhaber und RTL-Gesellschafter lediglich, zaghaft beim immer selbstbewusster werdenden Helmut Thoma anzufragen, ob das Entblößen weiblicher Oberkörper denn wirklich unvermeidlich sei, was jener mit dem Satz zu beantworten pflegte, der Köder müsse dem Fisch schmecken und nicht dem Angler. Dagegen war wenig zu sagen, zumal die stillen Leiden des Medienästheten aus Gütersloh durch regelmäßige und erhebliche Geldzuflüsse von RTL gemildert wurden.
Ansonsten spekulieren wir allenfalls noch darüber, ob die Unterwäsche eines bei "Wetten Dass" auftretenden Stars nun fleischfarben oder vielleicht sogar überhaupt nicht vorhanden war. Fernsehen bewegt die Welt nicht mehr, was wir schon daran erkennen, dass die einst magische Anziehungskraft ausübenden Reporterteams in Fußgängerzonen keines Blickes mehr gewürdigt werden; ja, man empfindet sie sogar als weiträumig zu umgehendes Hindernis. Kein Wunder, denn mindestens jede zweite Straßenumfrage ist heute eine Spaßbefragung, bei der es uns höchstes Vergnügen bereiten soll, wenn sich mal wieder jemand zum Affen macht, weil er die Hinterlist in der Fragestellung verkannt hat.
So haben wir uns dann auch daran gewöhnt, dass wir in vielen Magazinsendungen, die allesamt Informationsdirektoren unterstellt sind, eigentlich aber doch in den Bereich Entertainment gehören, mit einer Inflation von Skandalen konfrontiert werden, die allesamt keine sind. Das meiste davon ist weder "explosiv" noch "exklusiv", sondern schlicht langweilig. Was daran liegt, dass man in den vergangenen zwanzig Jahren Schritt für Schritt lernen musste, dass der Tag 24 Stunden hat, die Inhalte dieser Welt aber nicht für 24 Stunden Fernsehprogramm ausreichen. So werden wir dann - Stichwort: Trivialisierung - zum 150. Mal in so genannten Dokumentationen über die Entrümpelungstätigkeit der Berliner Müllabfuhr, die Lasten einer Kölner Knöllchenschreiberin oder den Alltag von Geschwindigkeits-messenden Autobahnpolizisten informiert.
Die Gefahr, dass am nächsten Tag irgendjemand anruft und sich beschwert, ist sehr gering. Ohnehin ruft kaum noch einer bei Fernsehsendern an, um etwas Programmliches zu reklamieren. Früher meldeten sich hunderte von Menschen bei Kulenkampffs "EWG" in tiefer Sorge, dem auf der Bühne zu Quizzwecken hereingeführten Dackel sei es, das habe man doch deutlich sehen können, unwohl geworden, was stets unter Verweis auf einen in der Dekoration bereit stehenden Tierarzt entkräftet werden konnte. Heute ruft man allenfalls noch bei Premiere an, weil die Smartcard nicht funktioniert.
Dafür feiert das Mitmachfernsehen fröhliche Urstände. Acht Millionen Anrufe an einem einzigen Abend bei "Deutschland sucht den Superstar", 550.000 jeden Tag bei 9Live, dem Fernsehprogramm für Intelligente, bei dem Menschen versuchen, durch das Bestehen hochkomplizierter Herausforderungen Geldgewinne im 50-Euro-Bereich zu ergattern. Dies ist sehr aufschlussreich, lernen wir daraus doch immerhin, dass die Frage "Wie heißt die Jahreszeit, in der es schneit?" schon nach 16 unzutreffenden Antworten und viereinhalb Stunden Sendezeit beantwortet werden kann. Dieser verdienstvolle Feldtest des Wissens belegt eindrucksvoll, dass die PISA-Studie einfach nicht stimmen kann - und straft all jene Lügen, die behaupten, im Fernsehen müsse sich was bewegen und ein kaugummikauender rumschreiender sich die Haare raufender Moderator reiche nicht aus - reicht doch! Tagsüber jedenfalls. Interessanterweise werden einige dieser Call-In-Sendungen ab 22:00 Uhr nur noch von leicht bekleideten Frauen moderiert, die Punkt 24 Uhr erklären, nun werde ihnen die Sache zu heiß und sie müssten sich ihres BHs entledigen. Die Anrufquote soll zu dieser Minute erheblich in die Höhe schnellen. Ein Hormonreflex.
Aber ganz gleich, um was es geht: Eine Telefonumfrage, ein Gewinnspiel, eine Abstimmung, stets natürlich über Belangloses, stets natürlich kostenpflichtig, die Deutschen hechten wie auf Kommando quer durchs Wohnzimmer und strapazieren ihre Wahlwiederholungstasten bis zur Reparaturbedürftigkeit. Ähnliche Erfahrungen berichten unsere Einkaufssender: Fasziniert reihen sich Deutschlands Hausfrauen, angefeuert durch eloquente Moderatoren, bei der zum Prinzip erhobenen Mangelverwaltung in Warteschlangen ein und nehmen es mit Freude hin, dass die Gattung der Dampfreiniger, Pfannensets und Perlenketten auf singuläre Produkte verengt wird, die bald ausverkauft sein werden und so schnell auch nicht wieder hereinkommen. Bemerken wir da nicht alle eine geheime Sehnsucht nach dem Einzelhandel der DDR?
Nicht Sinn, sondern Unsinn bringt Quote, schreibt der Berliner Kommunikationswissenschaftler Norbert Bolz. Recht hat er. Eines der eindrucksvollsten Beispiele war das Ereignis, über das die Süddeutsche Zeitung schrieb: "Diese Serie war die fieseste, abgründigste und verkommenste TV-Sendung seit Menschengedenken." Gemeint war der "Bachelor", ein RTL-Produkt, bei dem ein Beau namens Marcel, der sich - Zitat - "von Folge zu Folge mehr und mehr als seelenloses Psycho-Wrack erwies", aus einer Reihe hochgestylter Kandidatinnen eine Maitresse auswählen durfte. Der Bachelor - das heißt Junggeselle und hat nichts, aber auch wirklich gar nichts mit dem gleichnamigen akademischen Titel zu tun - erwies sich durch Sätze wie "Ich hoffe, dass ich heute Abend noch ein Gefühl bekomme" als besonders geistreich und verteilte beeindruckende Komplimente wie "Ich halte Dich für eine intelligente Frau, die aber auch sehr viel im Kopf hat." Die Süddeutsche titelte: "Ein menschliches Vakuum".
Oder nehmen Sie "Deutschland sucht den Superstar", jenes Megaevent, das die Kasse von RTL im Millisekundentakt klingeln ließen. Erinnern Sie sich noch an einen gewissen Daniel Küblböck, der in der ersten Staffel derartig durch pubertäres Krächzen auffiel, dass er anschließend - wie Insider wissen - sogar unter die ersten zehn bei der ZDF-Wahlveranstaltung "Unsere Besten - Wer ist der größte Deutsche?" kam. Nur die Weisheit der Redaktion verbannte ihn aus der Nähe Adenauers, Bismarcks und Einsteins auf einen angeblichen 16. Platz, vor - ich wiederhole: vor - Albert Schweitzer, Helmut Schmidt, Ludwig Erhard, Dietrich Bonhoeffer, Oskar Schindler, Richard von Weizsäcker und Friedrich dem Großen.
Möglich wird's durch eine ganze Reihe paralleler Entwicklungen. Unsere Netze werden breitbandiger, unsere Zuschauer adressierbarer und unsere Sender kostenpflichtiger. Sie alle haben wahrscheinlich verfolgt, wie die großen Senderfamilien zusammen mit SES Astra und den Kabelnetzbetreibern wie KDG und Tele Columbus daran arbeiten, die Grundverschlüsselung einzuführen. Damit bekommt Fernsehen eine völlig andere Basis. Erstmals wissen Fernsehsender künftig, in welchen konkreten Haushalten sie gesehen werden. Und erstmals können Free-TV-Sender Pay-Programme anbieten, ohne selbst Plattformen betreiben und für Set-Top-Boxen sorgen zu müssen. Denn das darf sich nicht wiederholen: Dass Sie für ein neues Programm ein neues Endgerät brauchen. Das muss alles über eine Box laufen, am besten auch über eine Smartcard. Fernsehen muss, man kann es gar nicht oft genug wiederholen, Fernsehen muss einfach sein.
Das haben die Technologen dieser Welt bei anderen Geräten der Unterhaltungselektronik jahrelang missachtet. Sie haben uns das Leben oft sehr schwer gemacht. Aber erfolgreich kann nur eine Technologie sein, die Unbequemlichkeit in Bequemlichkeit verwandelt.
Belege dafür gibt's genug: Früher brauchten wir zwei Tage, um einen Vertragsentwurf zu schreiben und per Post zuzustellen; heute geht das per Fax oder E-Mail in Sekundenschnelle. Früher war die patentierte Faltung eines Falk-Stadtplans ein Fortschritt; heute haben wir Navigationssysteme. Früher mühten wir uns mit dem Duden ab; heute gibt es die automatische Rechtschreibprüfung. Früher suchten wir nach Telefonzellen; heute haben wir Mobiltelefone. Früher brauchten wir Reisedevisen; heute gibt es Kreditkarten. Man muss sich das immer wieder vergegenwärtigen, was da in den letzten zehn Jahren passiert ist. In einem Zeitraum, der nur ein Lidschlag in der Geschichte der Menschheit ist, haben Digitalisierung, Datenkompression und Datenübertragung unser Leben massiv verändert.
Aber diese Technologien waren nur erfolgreich, weil sie ein Problem lösten. Normale Post ist zu langsam, deswegen ist E-Mail ein Erfolg. Telefonzellen sind entfernt und umständlich; deswegen haben wir alle Handys. Banken schließen früh; deswegen bezahlen wir mit Kreditkarten.
Doch trotz der Tatsache, dass nicht die Technologie, sondern das Unbequeme der Auslöser erfolgreicher Innovationen war, denken viele, insbesondere Bastler, Tüftler und Erfinder und ihre Unternehmen, immer noch, neue Technologie sei wegen ihrer Eigenschaft erfolgreich, eine neue Technologie zu sein. Und das ist falsch.
Das gilt vor allem fürs Fernsehen. Wir wollen nicht für die Tagesschau einen Server hochfahren, "Wetten Dass" über drei Menuebenen suchen oder für "Notruf" erst das Shockwave-Plugin installieren. Wir wollen auch nicht mehrere Fernbedienungen haben, unser halbes Wohnzimmer verkabeln und den Sessel so nah an das Gerät rücken, dass wir die 9-Punkt-Schrift des kombinierten Multimedia-MP3-Video-Playstation-TV-Geräts erkennen können. Wir wollen uns nicht vor-, sondern zurücklehnen; wir wollen Bequemlichkeit und uns nicht von Technik dominieren lassen.
Kurz: Das, was uns beim Computer stört, darf sich beim Fernsehen nicht wiederholen. Hochfahren, Abstürze, Sicherheitsupdates? Virenscanner, Personal Firewalls, Anti-Spyware? Spam, Trojaner, Würmer? Merkwürdigerweise haben wir uns an all das ziemlich gewöhnt und uns damit arrangiert. Ein Bekannter - er ist Österreicher, also findig - erzählte mir neulich, er habe neben seinem Computer immer eine Digitalkamera liegen, damit er bei einem Absturz seines Rechners wenigstens die auf dem Bildschirm sichtbaren Daten noch retten kann. So viel zur optischen Datenspeicherung. Und ein Freund aus Italien beklagte sich vor kurzem, dass er jährlich nicht unerhebliche Summen an Symantec überweisen muss, damit Norton Antivirus auf seinen drei Rechnern im Restaurant, seinem Büro und zu Hause weiterhin Angriffe abwehrt; das sei nichts anderes als eine Schutzgeldzahlung.
Auch werden wir die meisten Prinzipien des Internet nicht auf den Fernseher übertragen können - wir erwarten auch in Zukunft Programme und wollen uns nichts mühsam zusammensuchen, wir erwarten Journalisten und nicht eine Horde von häppchenweise publizierenden Podcastern oder YouTube-Nutzern und wir erwarten auch weiterhin von Moderatoren ganze Sätze statt Icons, Emoticons und Chat- und Mail-Abkürzungen nach dem Motto ROFL, übrigens dem Anspruch nach ein Kompliment für eine heitere Bemerkung, denn das Kürzel bedeutet "Rolling on Floor and Laughing", ich rolle mich auf dem Fußboden und lache dabei.
Eine besondere Eigenschaft des Internet werden Sie beim bevorstehenden Weihnachtsfest wieder einmal spüren, nämlich bei den Weihnachtsgrüßen per E-Mail. Ach, ist es nicht romantisch, als Rundschreiben aufgesetzte, mehrsprachige, anredelose, geschlechtsneutrale, Duz- und Siez-konforme ("Ich / wir wünschen Dir / Euch / Ihnen"), meist aber ganz verbenlose, Weihnachtsgrüße zu erhalten, die uns, eingebettet zwischen "Enlarge your Penis" and "Buy viagra"-Mitteilungen in sieben Worten die ganze Herzlichkeit des Absenders spüren lassen? Ich habe Ende letzten Jahres etwa achtzig solcher festlichen E-Mails in meinem Postfach gehabt, davon enthielten 17 den Sobig-F-Wurm, 12 leiteten mich auf ein und dieselbe Website weiter, auf der ein Pinguin unter dröhnendem Gekrächze meiner Laptop-Lautsprecher Gitarre spielt und neun machten mich am Schluss standardmäßig darauf aufmerksam, dass die Mitteilung über das bevorstehende Weihnachtsfest eine vertrauliche und nur für mich bestimmte Information sei.
Das alles wollen wir nicht wieder erleben, wenn es um unser normales tägliches Leben geht. Das gilt auch für unsere Wohnungen. Ich lese immer wieder, dass zahlreiche Tüftler, Bastler und Erfinder damit liebäugeln, unsere Wohnungen zu vernetzen. Sie sagen, alle Haushaltsgeräte würden künftig mit dem Internet verbunden sein. Die Waschmaschine holt sich ihr neues Betriebsprogramm selbständig von der Miele-Website, der Trockner fragt vor Arbeitsbeginn bei Yahoo die Wettervorhersage ab und der Toaster scannt das eingelegte Röstobjekt und entnimmt einer Datenbank, dass er Golden Toast nur bis Stufe drei erwärmt.
Aber eigentlich will ich gar nicht, dass mein Kühlschrank selbständig beim Kaufhof anruft und neuen Champagner bestellt. Und ich mag auch keine Dusche, die mich morgens aus Gesundheitsgründen automatisch eiskalt überströmt. Meine sprechende Waage hasse ich ja schon jetzt, weil sie mir jedes Mal tadelnd in taiwanesischem Englisch zuruft "You arrr too heavy. Trrry a diet".
Nein, mir scheint, dass ich gut auf die mit Gewichtssensor versehene Matratze verzichten kann, die beim Hinzukommen eines zweiten Benutzers automatisch romantisches Licht einschaltet. Auch soll mein Ofen einfach nur den Kuchen backen und nicht auch noch die Kalorien verkünden. Und ich will auch keinen intelligenten Mülleimer, der Glas und Papier wegen des Umweltschutzes wieder ausspuckt.
Deswegen habe ich auch meine Zweifel am vernetzten Haus, das man über seinen Computer steuert. Zunächst einmal frage ich mich, wer das alles installieren soll. Mein Elektriker jedenfalls nicht, das kann ich Ihnen versichern. Der war ja noch nicht einmal in der Lage, den Lichtschalter in der Diele zu verkabeln - er funktionierte nur, wenn man im Bad die Lüftung betrieb. Und da soll er jetzt einen 32-Bit-Es-Null-Bus durchs Haus legen und im Sicherungskasten Windows Vista installieren?
Auch stelle ich mir vor, wie ich morgens verschlafen aus dem Bett steige, erst einmal das Haus hochfahre und Windows beim Versuch, die ausgewechselte Glühbirne zu erkennen, mit einem Bluescreen stehen bleibt. Millionen von Menschen werden morgens zu spät zur Arbeit kommen, mindestens aber übel riechend, weil die Lizenzzeit für die Software des Seifenspenders abgelaufen, die Zahnbürste abgestürzt oder das Deo noch nicht initialisiert war. Ebenso peinlich dürfte es werden, wenn das Programm WC 2010 Professional einmal versagt und sich weigert, die Spülung auszulösen, bevor nicht ein Update installiert ist.
Natürlich wollen auch Sie das alles nicht - denn stellen Sie sich vor: Bei all dem stehen Ihre Mieter vor der Tür und fragen: Wie funktioniert das? Und: Warum funktioniert das nicht?
Ich sage Ihnen etwas über das eigentliche Grundproblem von Technologie: Das Grundproblem heißt "Wie erkläre ich's dem Kunden?". Wenn Sie Technologieanbieter sind, haben Sie einen enormen Aufwand für Kundenbetreuung. Und dem können Sie überhaupt nicht gerecht werden, weil Sie ansonsten nicht mehr wirtschaftlich arbeiten. Demzufolge findet wirksame Kundenbetreuung in den meisten Unternehmen mit Massenkundenbeziehungen gar nicht mehr statt. Ich nenne diesen Effekt das "Nirwana-Syndrom".
Nehmen wir einen aktuellen Fall. Der Internet-Telefonieanbieter Skype, seit kurzem ein Tochterunternehmen von Ebay, verspricht: Kaufen Sie 10 Euro Guthaben und Sie erhalten 60 Minuten Telefonate ins Festnetz kostenlos dazu. Das habe ich vor etwa sieben Wochen getan. Die 10 Euro wurden auch umgehend kassiert, die 60 Minuten jedoch, Sie ahnen es bereits, nicht aufs Guthabenkonto aufgebucht.
Der Versuch, diesen Missstand mittels Einsatzes des Kommunikationsmittels Sprache mit einem Menschen zu klären, scheitert: Skype ist so etwas wie eine nur aus Geldautomaten bestehende Bank, ein einarmiger Bandit, der beim Schlucken der Beute gurgelnde Laute ausstößt oder ein automatisches französisches Toilettenhaus, das sich durch einen Programmierfehler selbst endlos reinigt und dabei rhythmisch auf den Marktplatz ruft "Je me nettoye - ne quittez pas!". Skype ist menschenleer. Das menschenleere Skype erinnert insofern an den Planeten Pallas, auf dem Roboter die Kolonisten entmachtet hatten, ein Spuk, dem der schnelle Raumkreuzer Orion alsbald ein Ende bereiten konnte; bei Skype ist diese Hoffnung trügerisch, zumal die Orion vor 40 Jahren zuletzt gestartet ist.
Und außerdem: Skype, der weltgrößte Anbieter von Internet-Telefonie, hat selbst gar kein Telefon. "Isch abe gar keine Auto", fällt mir da ein, Sie erinnern sich: der freundliche Italiener, der die Beschwerde der hübschen Nachbarin, wann das den Parkplatz blockierende Fahrzeug entfernt werde, schamlos ausnutzt, um die Schönheit zu einem Nescafé Capuccino und sicherlich, nach Werbespotende, noch zu allerlei Weiterem zu verführen. So raffiniert, so charmant, so feurig ist auch Skype.
Doch hier bleibt nur der Flirt per Web. Klickt man auf "Hilfe", wechselt sofort die Sprache in englisch. Der Internet-Buchhändler Amazon hätte jetzt gleich eine Regel daraus konstruiert. Sie kennen das: Menschen, die das Buch "Verdammt in alle Ewigkeit" gekauft haben, haben sich auch für folgenden Titel interessiert: "Scheidungsrecht kurzgefasst". In unserem Fall lautet die Regel: "Deutsche, die bei der Nutzung von Skype Hilfe benötigen, sind wahrscheinlich Engländer."
(Nebenbei: Ich schätze Amazon sehr. Man begrüßt mich dort mit "Guten Tag, Werner Lauff!". Das finde ich nett. Merkwürdig finde ich nur den Satz darunter: "Wenn Sie nicht Werner Lauff sind, klicken Sie bitte hier!")
Doch zurück zu Skype. Also bemühe ich mich um mein bestes englisch und frage: Where are the 60 minutes? Die Antwort lautet (immer noch in englisch): "Wir haben Ihre Mitteilung nicht angenommen, weil diese Frage bereits einmal gestellt wurde. Hier ist die Antwort". Sie lautet "How to use Skype in Argentina". Ich insistiere und sende die Frage ein zweites Mal ab. Schon nach einigen Minuten kommt eine Mitteilung. Sie lautet, mit einer Mitteilung sei innerhalb von 72 Stunden zu rechnen. Es sei aber unwahrscheinlich, dass überhaupt eine Mitteilung komme, denn in der Regel sei entweder das Problem bekannt oder als Anregung zu werten.
Meine Bitte, nicht nur die zehn Euro zu kassieren, sondern auch die 60 Minuten gutzuschreiben, wurde offenbar als Anregung eingestuft. Man hörte nichts mehr. Sehen Sie, genau das ist das Nirwana-Syndrom.
Beim Fernsehen darf uns das nicht passieren. Und da lobe ich an dieser Stelle, wirklich ungebeten, unsere Kabelnetzbetreiber in Deutschland, die jahrelange Erfahrung mit Service haben, über einen Außendienst verfügen und wissen, wie man Probleme löst. Das was das Kabel längst kann, muss die Deutsche Telekom noch lernen und der Satellit erst von Anfang an aufbauen.
Die Deutsche Telekom verbreitet seit kurzem Fernsehen über DSL. Warum macht sie das? Nun, das ist ziemlich einfach: Mit Technik allein, insbesondere mit breitbandigem Internet-Zugang und Telefonie, ist in Deutschland kein nachhaltiger Gewinn mehr zu erzielen. Ohne Inhaltevermarktung keine interessanten Gewinne. Und ohne TV-Inhalte kann man auch keinem Kunden mehr erklären, warum er ausgerechnet einen Vertrag mit der Deutschen Telekom machen soll und nicht etwa mit alternativen Anbietern wie Arcor oder Kabelnetzbetreibern oder City-Carriern.
Ich finde das alles auch sehr spannend: Über 20 Megabit Bandbreite, viele, viele Sender und Telefonieren mit Flat Fee noch dazu - das ist ein spektakuläres Angebotspaket. Und ich sage Ihnen: Diejenigen, die wirklich fast 90 Euro im Monat für dieses Komplettpaket zahlen, werden auch kaum noch kündigen - zu groß ist dann die Gefahr, von heute auf morgen von Fernsehen, Internet oder Telefonie abgeschnitten zu sein.
Aber es wird keine Massenbewegung hin zu IPTV über DSL geben. Wirtschaftlich erfolgreich könnte ein Triple-Play-Angebot über DSL daher allenfalls dann sein, wenn sich die Deutsche Telekom sehr viel mehr Einnahmen aus Video on Demand, virtuellen Videorecordern, Transaktionserlösen und der Vermarktung von Pay-Programmen sichern würde. Das genau tut sie aber nicht; denn im Grunde versteht sie nicht sehr viel vom Fernsehen. Jedenfalls nutzt sie die USPs des DSL-Netzes, das ja ein "geborenes" Punkt-zu-Punkt-Netz ist, bei weitem nicht aus. Sie macht das, was andere auch machen. Ein Me-too-Produkt. Ich auch, ich auch, ich auch - das ist eigentlich generell der Kernsatz einer Branche im Showdown.
Deswegen sage ich Ihnen voraus, dass das Kabel mit einer nachhaltigen, aber behutsamen Investitionspolitik nach wie vor der beste und dauerhaft verlässlichste Partner der Wohnungswirtschaft ist und bleiben wird.
Auch das digitale terrestrische Fernsehen DVB-T wird das Kabel nicht bedrohen. Zum einen ist das, gerade hier in Berlin, schon erwiesen; zum anderen ist DVB-T zunehmend ein finanzielles Problem für die Privatsender, zumal die Subventionierung unzulässig ist; und schließlich passt die freie Ausstrahlung von privaten Programmen über DVB-T überhaupt nicht zur Strategie der Sender, mit Hilfe der Grundverschlüsselung eine Basis für eigene Pay-TV-Angebote zu schaffen. Ich prognostiziere: Wenn nach dem Kabel nun auch der Satellit die digitalen Signale der Sender verschlüsselt, werden sich die Privatsender aus DVB-T alsbald zurückziehen. Aus dem Hier-und-Da-Fernsehen wird dann ein Hier-und-Da-und-nur-ein-Bisschen-Netz.
Das ist übrigens eine der Ungereimtheiten von Medienpolitik: Wir brauchen Maßnahmen, die den Wettbewerb leistungsfähiger Infrastrukturen wirksam fördert und große Reichweiten für neue Fernsehangebote schafft. Dazu passt DVB-T ebenso wenig wie das Vorhaben, einen Marktführer wie die Telekom von der VDSL-Regulierung freizustellen. Dazu passt auch nicht, dass das Bundeskartellamt die Übernahme von ProSiebenSat.1 durch den Axel Springer Verlag verhindert hat. Es ist schon merkwürdig: An vielen Stellen in der Welt werden Ausländer daran gehindert, größere Anteile an Fernsehsendern zu übernehmen. Zum Beispiel dürfte RTL nicht ABC kaufen, weil RTL kein amerikanisches Unternehmen ist. In Deutschland aber ist das nun genau umgekehrt: Hier werden Inländer daran gehindert, inländische Unternehmen zu erwerben - der Erwerb durch Ausländer ist hingegen unproblematisch. Ich sage Ihnen: Das versteht in der Welt kein Mensch.
Und ich nenne Ihnen noch etwas, was kein Mensch versteht: die Rundfunkgebühr auf PCs. Der ein oder andere von Ihnen ist selbständig oder Freiberufler. Architekt zum Beispiel, Arzt, Rechtsanwalt oder Unternehmensberater. Sie alle haben in ihren Büros Computer, die Sie zum Arbeiten benutzen. Die Ministerpräsidenten der Bundesländer sagen nun: Diese Computer sind ja auch ans Internet angeschlossen. Im Internet gibt es bewegte Bilder. Das mag sein, antworten Sie, aber ich bin Architekt, Arzt, Rechtsanwalt oder Unternehmensberater, benutze diesen PC nur zum Arbeiten und habe in meiner Praxis, Kanzlei oder meinem Büro überhaupt keine Zeit, nachmittags eine Gerichts-, Talk- oder Pannenshow anzusehen. Das ist unerheblich, sagen die Ministerpräsidenten, denn Sie könnten ja theoretisch, gelegentlich und unter Umständen mit diesen Computern übers Internet fernsehen. Also müssen Sie eine monatliche Rundfunkgebühr dafür zahlen.
Ich sage Ihnen: Erklären Sie das mal einem ausländischen Investor, der hier ein Büro eröffnet und seinen Laptop anschließt. Der hält uns alle für verrückt. Übrigens, lassen Sie uns das doch mal einen Moment weiterdenken. Wieso erheben wir nicht Tabaksteuer auf Aschenbecher? Die sind ja nun garantiert zum Tabakkonsum. Logisch wäre dann auch der nächste Schritt. Haben Sie Untertassen zu Hause? Sicher haben Sie die. Untertassen sind zwar eigentlich dazu gedacht, unter Tassen zu stehen. Es könnte aber auch sein, dass Sie sie theoretisch, gelegentlich und unter Umständen einmal als Aschenbecher zweckentfremden. Also müssen wir auch darauf Tabaksteuer erheben. Das fände ich gerecht. WMF und Rosenthal, aufgepasst - da kommt was auf Euch zu!
Was für eine Entwicklung, was für eine Revolution! Von analog zu digital, von Free zu Pay, vom Vollprogramm zur Sparte. Es ist schwer, das alles zu verstehen. Die Politik schafft's jedenfalls nicht, viele ältere Bürger schaffen's nicht und auch viele Kabelkunden haben da ihre Probleme. Die meisten können beispielsweise nicht auf Anhieb sagen, auf welchem Weg sie Live-Spiele der Bundesliga erhalten. Teils kommen die nämlich von Arena, teils von Arena, aber transportiert von Premiere, teils über den Kabelkiosk, teils in Nagravision, teils in Cryptoworx. Jetzt schicken Sie so einen Menschen mal in den Mediamarkt. Ich habe neulich angeregt, man sollte eine Art Pass ausstellen: "Sie haben einen Kabelanschluss vom Netzbetreiber A. Sie verfügen über ein Fernsehgerät mit den Eigenschaften B. Sie empfangen Digitalfernsehen mit dem Receiver C. Sie brauchen einen Vertrag mit dem Programmanbieter D, der Ihnen die Smartcard E für das Verschlüsselungssystem F aushändigt. Die stecken Sie in den Schlitz G." Das wäre wenigstens hilfreich. Dietmar Schickel von Tele Columbus sagte mir neulich: Lieber Herr Lauff, das machen wir und nennen es Lauff-Pass.
Sie sehen, was man macht, es ist so einfach nicht. Deswegen wünsche ich Ihnen für das Jahr 2007 vor allem Überblick, aber auch einen investierenden, modernen aber bodenständigen Kabelnetzbetreiber, der mit Ihnen gemeinsam in eine menschliche digitale Zukunft geht! Vielen Dank!